Dienstag, 6. August 2019

Samstag 11.02.2017 - Die erste große Arbeitsgruppe wird bei der Anreise aufgehalten

Ein seeeehr langer Arbeitstag geht zu Ende. Gestartet sind wir um 7 Uhr mit dem Frühstück und direkt danach ging die Arbeit schon los. Niko kümmerte sich um die Spüle in der Küche, die undicht war und wo der Wasserhahn nicht richtig funktionierte. Er ersetzte den Wasserhahn und setzte die Spüle neu ein. Ich versuchte ein Handy zu finden mit dem wir die einheimische SIMkarte nutzen konnten um zu telefonieren. Jeff musste damit noch einiges an Material organisieren, was er gestern nicht bekommen hatte.




Leider klappt hier vieles nicht so wie gewünscht, aber es gibt für alles eine Lösung. Parallel wurde das gekaufte Material vom LKW geladen, die einheimischen Helfer eingewiesen und Angel machte sich daran die Stromleitung für den Generator neu zu verlegen. Wir strichen dann weiter im Schlafzimmer der Männer bis wir endlich Strom hatten und ins Frauenhaus gehen konnten. Es sah dort erst mal ziemlich schlimm aus. Alles war dreckig, die Bettwäsche war schmutzig und roch unangenehm, vieles funktionierte nicht. So machten wir uns erst mal an die Arbeit wieder überall Halterungen für die Moskitonetze anzubringen und danach strichen wir die Schlafräume. 

Heute ist große Geduld angesagt. Ich (Jeff) warte seit einigen Stunden in Pignon um die erste US Arbeitsgruppe hier in Empfang zu nehmen. Es gibt jedoch anhaltende Blockaden und Spontanproteste an diversen Einfahrtsstraßen gegen den neuen Haitianischen Präsidenten der Dienstag vereidigt wurde sodaß ihre Anreise bereits erschwert und z.T. aufgehalten worden ist. Wir beten dass die politischen Spannungen nicht zunehmen.
Derweil ist vor Ort mit den Arbeiten begonnen worden. Besorgungen für die größeren notwendigen Arbeitseinsätze strapazieren uns alle, da vieles gar nicht vorrätig ist, oder erst nach viel herumfragen gefunden und gekauft werden kann. Dennoch gibt es mehr als genug zu tun.  

Freitag 10.02.2017 - Ein Berg von Arbeit wird angepackt

Am frühen Morgen machte Jeff sich direkt auf den Weg nach Cab-Haitian um Material zu besorgen. Wir wussten er würde insgesamt 6 Stunden Autofahrt plus einige Stunden einkaufen vor sich haben und so rechneten wir gegen 17 Uhr mit ihm. Die Helfer vom Vortag waren wieder dabei und wir gaben ihnen erst mal Aufgaben. Sie sollten für fünf Eingangstüren der Schlafhäuser der Kinder Stufen betonieren. Wir machten uns an die Arbeit den Aufenthaltsraum fertig zu streichen.

Danach ging es weiter im Schlafraum für die amerikanischen Männer. Das ging relativ schnell sodass wir damit gegen Mittag fertig waren. Also fingen Angel und ich auch noch mit der Küche an. Niko und Harry hatten das Waschbecken im Bad in Angriff genommen. Der Abfluss war undicht. So bauten sie alles auseinander und machten eine überraschende Entdeckung. Es könnte ja alles mögliche die Leitung zusetzen, aber das war schon erstaunlich. Dort saß ein dicker fetter schleimiger Frosch. Anscheinend lebte er dort. Nachdem der Frosch aus dem Rohr entfernt war konnte das Waschbecken wieder normal genutzt werden. 

Da Jeff immer noch nicht zurück war und die Küche bereits schon sauber und wieder eingeräumt war, strichen wir noch zwei Wände des Schlafzimmers unserer Männer. Wir machten uns ein paar Sorgen, weil Jeff noch nicht zurück war als wir gegen 20 Uhr schlafen gingen, aber er kam dann kurze Zeit später ziemlich erschöpft zurück. Leider hatte er nur die Hälfte der benötigten Dinge bekommen und war etwas enttäuscht.

Mittwoch, 15. Mai 2019

Donnerstag 09.02.2017 - erster Arbeitstag

Heute morgen (Donnerstag) um 7 waren wir schon wieder alle auf den Beinen. Wir werden hier von der Frau des Pastors immer sehr reichlich mit Essen versorgt. Das Frühstück war bereits da und Jeff konnte danach die Begehung des Grundstücks machen um alles zu notieren, was wir in den nächsten Tagen benötigen und was wir machen wollen. Danach fuhr er in die Stadt um Material zu besorgen.

Wir anderen hatten noch keine richtige Arbeit. Der Generator funktionierte erst mal nicht, sodass wir auf dem Gelände versuchten ein wenig Ordnung zu schaffen. Überall lagen große und kleine Steine herum, die wohl mal als Befestigung oder Bodenbelag dienten. Wir begannen neue Wege damit zu formen.

Jeff tauchte früher als geplant wieder auf um etwas Material zu bringen. Zur gleichen Zeit konnte der Generator auch wieder in Betrieb genommen werden und wir konnten anfangen weitere Löcher für die Aufhängung der Moskitonetze zu bohren. Wenn man keine passenden Bohrer für die Dübel hat, wird man mit kleinen Holzresten kreativ. Wir wollten aber gerne für die Gruppe Amerikaner, die bald eintreffen, die Halterungen vorbereiten, damit sie dann nicht noch einmal von vorne beginnen müssen. Außerdem wurde der Aufenthaltsraum neu gestrichen. Dabei gingen uns die Einheimischen zur Hand.

Am Ende des Tages saßen wir nach dem Abendessen noch zusammen um uns über den Tag auszutauschen. Wir haben zwar noch nicht viel von dem geschafft, was wir vor hatten, aber immerhin konnten wir schon beginnen. Wir haben endlich (sehr langsames) Internet, Farbe und Werkzeug zum Streichen und neue Aufgaben für morgen. Das Gebäude wo wir wohnen wird noch etwas in Schuss gebracht (Wasserleitungen, Wasserhähne, Schalter, Farbe, Ausbesserungsarbeiten etc).


Ich hoffe ich habe nichts vergessen zu erwähnen. Mit Bildern ist es noch etwas schwierig, aber morgen können wir unser Internetguthaben hoffentlich aufladen und dann sollte es auch möglich sein das ein oder andere Bild online zu stellen. Ich gebe mein möglichstes.


An die Freunde und Familien zu Hause, auch wenn wir euch mal ein paar Nachrichten schreiben können, bitte seht es uns nach, dass wir euch keine Bilder schicken oder Sprachanrufe machen können, wir müssen sehr sparsam mit dem Datenvolumen umgehen. Wir arbeiten noch an einer Lösung euch mal anrufen zu können.


Mittwoch 08.02.2017 - Ankunft in Pignon

Gegen 11 Uhr kam der Pastor mit zwei Begleitern in einem Minivan an. Die Männer beluden das Auto während ich noch in der Klinik war und mir die Arbeit dort ansah.

Ich konnte in der Zeit miterleben, wie ein kleines Mädchen zum ersten Mal dank einer Gehhilfe laufen konnte. Sie war 9 Jahre alt, sah aber aus wie 4. Sie wurde ihr ganzes Leben lang nur getragen und hatte deshalb gar keine Muskeln in den Beinen. Um diese aufbauen zu können benötigte sie eine Gehilfe. So hat der Orthopäde David, den wir zuvor kennen lernen durften, eine Gehilfe auf ihre Größe angepasst und ihr dann gezeigt, wie sie damit laufen konnte. Unglaublich wie glücklich diese kleine dann war. Im Gespräch danach waren David und ich davon so bewegt, dass wir vor Freude am liebsten geweint hätten.

Nach einem kurzen Mittagessen ging es dann los auf die abenteuerliche Reise. Zunächst fuhren wir ca 2,5 Stunden auf engen Straßen durch die Berge. In den bergigen kurvigen Straßen wurde viel gehupt und der vollbeladene Wagen schien beinahe Gepäck zu verlieren. Es war aber alles gut festgezurrt und wir hatten so wunderschöne Landschaften vor uns, dass es gar nicht so schlimm war in einem voll beladenen Auto, mit kaum Platz zum Sitzen, zu fahren.

Nach den 2,5 Stunden folgte noch eine 20 bis 30km lange Strecke. Aber dafür benötigten wir ca 1,5 Stunden. Die Straße war ähnlich wie die schlimmsten Straßen, die wir bereits aus Uganda kennen. Es holperte und schepperte, es ging steile Berge bergab und bergauf, durch zwei Flüsse, die zum Teil schon bedenklich hoch mit Wasser gefüllt waren. Manchmal krachte es so laut, als würde bald etwas am Auto zerbrechen. Aber wir kamen gut und sicher an unserem Ziel an.

Da es langsam schon dunkel wurde begannen wir sofort mit dem Ausladen aller Koffer und Werkzeuge und suchten unsere Schlafräume. Wir mussten dann darauf warten, dass der Generator repariert wurde, da wir zum Aufhängen der Moskitonetze bohren mussten. Bis dahin aßen wir erst mal und teilten die Betten auf. Ohne Strom und fließendem Wasser ist es schon seltsam, wenn man aus unserer Welt kommt.

Aber irgendwann lief der Generator wieder und wir konnten uns gestärkt an die Arbeit machen. Nach einer ganzen Weile gab es dann auch fließendes Wasser und wir freuten uns alle über die richtigen Duschen, auch wenn das Wasser immer kalt ist und man gefühlt nicht richtig sauber wird.

Mittwoch 08.02.2017 - es geht weiter nach Pignon

Da ich nicht weiß ob wir nachher wieder Internet haben hier schon mal die Vorschau wie es bei uns weiter geht.

Gestern abend wir Werkzeug zusammen gesammelt, das wir ausleihen und gleich mit zum Waisenhaus nach Pignon nehmen. Wir werden jetzt vom Pastor abgeholt. Die Reise soll ziemlich abenteuerlich werden. Die Straße soll zum Teil nur sehr langsam befahrbar sein und wir müssen drei Flüsse durchqueren. Wir sind sehr gespannt auf unser entgültiges Ziel.

Gestern konnten wir nicht großartig viel machen weil ein neuer Präsident ins Amt berufen wurde und es zu unsicher war das Gelände zu verlassen. So sind wir um so motivierter hoffentlich morgen endlich etwas schaffen zu können.

Es kann gut sein, dass wir an den nächsten Tagen nur selten Internet haben, aber ich versuche so oft wie möglich zu schreiben.

An die Familien der Workcamper: alle richten liebe Grüße aus, uns geht es gut.

Dienstag 07.02.2017 - Missionsarbeit im Saintard

Seit Montag sind wir in Saintard. Ich hatte gar nicht geschrieben wie verrückt teilweise der Verkehr war und wie es an der Grenze war. Wir hatten das Gefühl das dort viele Menschen einfach nur ihre Zeit vertrödelt haben. Da saßen und standen viele Menschen rum ohne ersichtlichen Grund.

Wir hatten abends noch unsere Moskitonetze aufgehängt, wobei Harry und Angel anscheinend Honeymoon Netze hatte. Da war mehr Öffnungen als Netz :D

 
Aber nun zu Dienstag. Jeff und Harry waren etwas laufen und im Anschluß gab es Kaffee und unsere Morgenandacht. Wir tauschten uns darüber aus was uns erwarten sollte. Nach dem Frühstück lernten wir schon einige Helfer hier kennen.

Es gibt hier ein Waisenhaus, einige Unterkünfte für Workcamper wie uns und eine stätig wachsende Klinik, die viel Unterstützung aus Deutschland bekommt. Später bekamen wir eine Führung durch die Klinik und es war sehr beeindruckend was hier geleistet wird.
Wir trafen unterschiedliche Mitarbeiter.



Phyllis ist die Leiterin hier. Sie ist 78 und ist nicht nur die Gründerin und Leiterin des Waisenhauses, sie ist auch verantwortlich für 300 Gemeinden in Haiti. Diese Gemeinden gehören alle zu unserem Gemeindebund. Unvorstellbar was diese ältere Dame alles leistet. Sie ist für alle wie Mutter Theresa. Sie kommt ursprünglich aus Jamaica und hat in Andersson, USA, studiert und dann das Waisenhaus gegründet. Sie ist eine beeindruckende Frau.

Dr Mark ist ebenfalls außergewöhnlich. Er leitet die Klinik bzw die Missionsarbeit. Er wird durch die Gemeinde Gottes USA finanziert. Er war früher ein angesehener Zahnarzt, hat auf Allgemein Medizin umgeschult und als seine Kinder groß waren ist er mit seiner Frau nach Haiti gekommen um hier die Klinik aufzubauen und zu leiten. Die Klinik gibt es seit 2005. Es werden hier viele Untersuchungen durchgeführt. Zb können sie 27 verschiedene Bluttests selber durchführen, ua. Schwangerschaft, Aids, Malaria, Cholera... hier wird operiert, Brillen werden hergestellt, Röntgen und Ultraschallaufnahmen gemacht und vieles mehr. Für den Zahnarztbereich wurden in den letzten Monaten neue Räume gebaut.


David ist ein Arzt aus den Staaten. Er kommt aus der Nähe von Miami und kommt alle drei Monate für eine Woche mit einer Gruppe Ärzte her und erstellt Protesen. Er hat hier eine Werkstatt aufgebaut mit selber entwickelten Werkzeugen, Halterungen und nutzt deutsche Technik.


Es ist unfassbar was hier geschaffen wurde und was diese Menschen an Arbeit, Zeit und Energie aufwenden um den Menschen hier zu helfen.

Außerdem trafen wir Charly. Er ist 74, seine Frau ist verstorben und er hat keine Verwandten mehr. Also entschied er sich für längere Zeit hier im Krankenhaus zu arbeiten, er ist seit 35 Jahren Krankenpfleger.



Mich beeindrucken diese Menschen. Die ihr Leben aufgeben um für andere da zu sein. Unfassbar was sie an Liebe, Geduld und Fürsorge ausstrahlen. Es ist mit nichts aufzuwiegen was sie hier leisten.



Der Plan für die Zukunft ist noch mehr Einheimische in diese Arbeit zu integrieren und auszubilden. Er gibt noch weitere Kliniken die von hier aus betreut werden. Teams fahren regelmäßig dort hin.

Montag 06.02.2017 - Reise von Dom Rep nach Haiti

Liebe Leser,
Wir hatten leider in den letzten Tagen kein Internet, jetzt nur für kurze Zeit mit dem Handy (das Notebook mag das Haitianische Netz nicht), aber es war uns wichtig uns zu melden.

Montag schrieb ich:
Unser aktuelles zu Hause hat keine richtigen Außenwände, eigentlich nur Fenster aber ohne Glas. Während ich schreibe höre ich dem Regen zu. Die anderen sind alle so müde, dass sie bereits in den Betten liegen, obwohl es erst 21 Uhr ist.

Um 6 Uhr ging es heute morgen los zum Busbahnhof. Kurz nach 8 fuhr aber erst unser Bus los, davor gab es einiges an Papierkram aufzufüllen und Bürokratie in Dom Rep ist anders als bei uns zu Hause.

Im Bus waren es -5 Grad, naja nicht wirklich, aber gefühlt auf jeden Fall. Die Klimaanlage war so kalt, dass es fast durchgehend 18 Grad waren, draußen dazu über 30.

Die Grenzüberfahrt war etwas komplexer, wir mussten zwei mal aus dem Bus raus um an verschiedenen Punkten unseren Pass kontrollieren zu lassen. Und einmal kam noch der "Zoll". Aber wir hatten eine tolle Aussicht. Auf der einen Seite lag ein schöner See im Hintergrund die Berge und auf der anderen Seite steile Kalkfelsen.






In Port au Prince, der Hauptstadt von Haiti, angekommen wurden wir direkt mit einem Schulbus abgeholt. Unterwegs hielten wir an um Lebensmittel einzukaufen. Die Währung hier ist schon wieder eine andere als in Dom Rep.

Haiti ist allgemein sehr anders. Hier leben fast ausschließlich Farbige, die typischen Spanier oder hellhäutigeren sieht man hier eigentlich gar nicht. Die Läden an den Straßenrändern erinnern sehr an Uganda, leider auch die Müllverbrennung. Harry und ich ziehen immer wieder Vergleiche zu Uganda und wir sind die dankbar für die guten Straßen hier.