Dienstag, 6. August 2019

Donnerstag 16.02.2017 - Abreise der Amerikaner

⁠⁠⁠Nach dem Frühstück stellten wir einen Tisch vor das Haus und verteilten die gepackten Taschen für alle Kinder darauf um sie ihnen zu überreichen. Alle Kinder standen ordentlich in Reihen und warteten gespannt auf ihre Geschenke. Sie freuten sich sehr und warfen viele neugierige Blicke in ihre Beutel. 

Leider war die Tür des Frauenhauses verschlossen und der Schlüssel lag drinnen, sodass die Frauen ihre Koffer nicht fertig packen und raus holen konnten. So verzögerte sich die Abreise der Gruppe um ca eine Stunde. Sie nutzten die Zeit um mit den Kindern zu spielen und um die Tür aufzubrechen.   Ich wusch in der Zeit die Wäsche und die Männer arbeiteten weiter an ihren Baustellen (Fliesen, Elektrik). Irgendwann war es so weit, die Amerikaner verließen uns. Wir tauschten Mail-Adressen aus, führten noch kurze Abschiedsgespräche und machten ein Gruppenfoto. Dann fuhren sie im Schulbus davon. 

Dann habe ich die Wäscheberge der Kinder mit ihnen gewaschen; ihre gesamte Kleidung war einmal von Tina durchsortiert worden. Es war beeindruckend wie viel Aufwand so eine Aktion bedeutet. Sie haben quasi vier Waschgänge, schruppen jedes einzelne Teil per Hand mehrfach. Und müssen  ständig Wasser hin und her schleppen. 

Als ich vom Wäsche waschen zurück kam trafen wir uns mit den Patenkindern, zumindest mit den ersten 20. Es war viel Arbeit alle zu interviewen, ohne Übersetzer wäre das gar nicht möglich gewesen. Aber wir haben zum Gück einen neuen Übersetzer gehabt. Dr. Rock ist der Schwager von Pastor St. Dieu. Er ist sehr hilfsbereit, obwohl er nicht viel Zeit hat. Er unterstützt uns dennoch so oft es geht. 

Harry, Niko und Angel beendeten in der Zwischenzeit ihre Arbeiten für den Tag und wir trafen uns etwas später alle zum gemeinsamen Abendessen. In so kleiner Runde, nach so viel Arbeit und ohne die Amerikaner war es doch recht still und wir gingen alle früh schlafen.

Mittwoch 15.02.2017 - die Arbeit geht gut voran


Wenn der Tag morgens schon mit einem kaputten Generator, aus dem Flammen kommen, beginnt, fühlt sich der Start in den Tag direkt nicht so toll an. Harry und ich hatten uns gemeldet um das Frühstück vorzubereiten. Wir hatten dafür noch extra Eier bestellt, die leider morgens um 6 noch nicht eingetroffen waren. So mussten wir etwas improvisieren und unsere Pläne ändern. Aber alle wurden satt.

Nach dem Frühstück bat Dale uns Deutsche mit ihm einzeln Interviews über die Reise zu machen. Er produziert einen Film über dieses Workcamp und wollte von jedem etwas dazu hören. Da ich alles übersetzen musste und es etwas mehr Zeit in Anspruch nahm, starteten wir gleich als erstes.
Ich packte mit den Frauen die Geschenke für die Kinder, da wir beschlossen hatten für jedes Kind einen Beutel mit Geschenken vorzubereiten.

Die Arbeit mit den Fliesen in der Küche ging weiter, auch das Verlegen der Stromleitungen ging voran. Die Bettenbauer kümmerten sich um den Generator und wir legten ein Abflussrohr unter unserem Gehweg, damit das Regenwasser den Weg nicht wegschwemmen kann. Dafür mixten wir ordentlich Beton in einer Schubkarre. Die Amerikaner fragten mich, eigentlich nur zum Spaß, ob ich helfen wollte und zu ihrer Überraschung tat ich das natürlich :) Die meiste Zeit über waren wir am lachen mit der ganzen Truppe. Schon allein die richtigen Worte zu finden um sich zu verständigen hat zu einigen Lachern geführt. Wir hatten immer eine fröhliche Stimmung beim Arbeiten.

Später fuhren wir mit dem Schulbus die Schule besuchen. Sie ist leider in einem schlechteren Zustand als ich erwartet hätte. Die meisten Klassenräume haben keine Türen, einer ist sogar ein Durchgangszimmer, aus dem Boden ragen oft Stahlstangen, oder es sind große Löcher im Boden, wo man schnell umknicken kann. An den Treppen sind keine Geländer und das Flachdach ist frei zugänglich, die Kinder könnten sich dort am Elektroschrott und den Stahlstangen verletzen oder vom Dach stürzen. Ich war geschockt.

Jeff baute mit den Haitianern einen neue Abflussleitung für die Küche, die das Wasser direkt in den Garten führt. So ist es jetzt um die Küche herum wesentlich sauberer.
Das Prototypen Bett konnte fertig gebaut werden und wurde direkt von einigen Kindern und den beiden Bettbauern getestet. Ein kleiner Erfolg an diesen langen Arbeitstagen. Vor allem, weil es für die Amerikaner der letzte Arbeitstag hier war.

Zwischendurch gab es mal wieder kein Wasser, weil wir nur einen Generator haben und der meistens für Strom benötigt wird. Aber ohne Generator kann die Pumpe kein Wasser in die Wassertanks pumpen. Die Verhältnisse hier sind schon etwas gewöhnungsbedürftig, vor allem wenn man sich abends nach dem Arbeiten schmutzig fühlt und gerne duschen würde.
Abends spielten wir mit ein paar Leuten Karten und die Männer machten ein Lagerfeuer. Wir saßen dann dort zusammen mit den Kindern, spielten, sangen und genossen einfach den warmen Abend in gemütlicher Atmosphäre.

Dienstag 14.02.2017 - Badeparty!

Unfassbar wie viel an so einem Tag passieren kann.

In der Andacht am Montag abend ging es um den Rahmen in dem sich unser Bild von dieser Situation hier befindet. Wir hatten festgestellt, dass es nicht so einfach ist mit den Haitianern zusammen zu arbeiten. Wir haben gelernt, dass wir sie nicht ändern können und nicht ändern sollen. Wir können nur den Rahmen ändern, den wir um das Bild haben. Wir sollten versuchen ihr Leben aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Ihre Kultur ist so anders als unsere und die Hintergründe warum sie was wie tun sind teilweise nicht so leicht nachzuvollziehen. Aber deshalb sind sie nicht schlechter, langsamer oder weniger intelligent als wir.

Diese Andacht gebrauchten wir dann am Dienstag um an unserer gemeinsamen Arbeitsweise zu arbeiten. Wir fingen an Beziehungen zu den Menschen aufzubauen. Wir lernten sie wertzuschätzen, ihre Namen, ihnen zu zeigen, dass wir uns freuen, dass sie uns helfen. Seitdem lief es so viel besser. Die Arbeiten gingen sehr gut voran.

Jeff hatte sich wieder früh morgens auf den Weg gemacht um Material zu kaufen. Da er nicht hier war, übernahm Dale stellvertretend das Kommando.

Wir hatten wieder das Team, das den Hof gestaltete. Es war am Ende schon gut zu erkennen, wie es final aussehen soll.
 
 

Da der Generator mal wieder nicht lief konnten die Holzarbeiten an den Betten erst später am Vormittag fortgesetzt werden. Auch die Fliesenarbeiten von Niko und Harry und die Elektroarbeiten von Angel und Ronny mussten etwas warten. Niko und Harry nutzten die Zeit und arbeiteten weiter an den Stufen, damit die Kinder gut in die Häuser rein und raus gehen können.



Aber als der Strom dann lief konnte vieles geschafft werden. Alle Holzteile für 5 Betten konnten geschnitten werden. Harry und Niko konnten mit dem Fliesen in der Küche anfangen. Und Angel konnte mit Ronny und einem Einheimischen Licht in der Küche installieren.


Außerdem wurden die Türen und Fenster weiter gestrichen und so langsam hatten fast alle Räume und Außenwände neue Farbe.

Nach dem Mittagessen brachte ich mit Adam die übrig gebliebenen Nudeln zu den Kindern. Beim letzten Mal als die Kinder unser Essen bekamen hatten sie keine Teller, deshalb brachten wir direkt Teller und Schüsseln mit. Wir baten einen älteren Jungen alle Kinder zusammen zu holen und sich im Speisesaal zu versammeln. Nach einigen Minuten schauten uns viele Kinderaugen erwartungsvoll an. Wir ließen sie sich in zwei Reihen aufstellen. Den Mädchen gaben wir zuerst etwas zu Essen. Am Ende saß jedes Kind am Tisch - was keine Selbstverständlichkeit ist, am Tag zu vor aßen alle auf ihren Zimmern - dann beteten wir gemeinsam und sie begannen zu essen. Jedes Kind bat noch um einen Nachschlag und wir verteilten gern alles was noch vorhanden war.

Die beiden Sozialarbeiterinnen Lyn und CJ befassten sich mit den Kindern. Sie lernten sie näher kennen und versuchten mehr zu erfahren. Aufgrund der Sprachbarriere war das nicht ganz so einfach, aber sie hatten am Ende einiges zu berichten.


Unter anderem hatten sie bemerkt, dass die Kinder alle sehr dreckig waren und jeden Tag die gleichen Klamotten tragen. Deshalb entschieden wir eine Badeparty zu veranstalten. Dazu bastelte ich vor dem Haus auf den Wäscheleinen eine Art Kabine. Die Jungs stellten zwei Wannen mit Wasser hinein und dann luden wir alle Kinder ein sich dort zu baden. Wir starteten mit den Mädchen, den kleinen zu erst und zeigten ihnen, wie man sich richtig wäscht. Nachdem sie gewaschen waren haben wir sie ins Haus gebracht, wo neue Kleidung bereit lag. Für sie war es quasi wie die erste Shoppingerfahrung. Sie konnten sich etwas neues zum Anziehen aussuchen und hatten so viel Spaß bei der ganzen Aktion, dass alle fröhlich gelaunt kicherten und die ganze Zeit ein lächeln im Gesicht hatten.

Montag 13.02.2017 - 16 arbeitende Workcamper

Früh am Morgen um 6:30 Uhr gab es Frühstück und unsere Andacht. Meine Aufgabe besteht zunehmend darin alles vom Englischen ins Deutsche zu übersetzen, das ist nicht einfach, wenn man noch verschlafen ist und einige wichtige Wörter nicht übersetzen kann.
 

Dann ging es an die Arbeit.

Ein Team fing an das Gelände zu gestalten. Es wurden Wege mit Steinen angelegt und zementiert. Außerdem bauten sie Abgrenzungen um die Bäume im gleichen Stil wie die Wege.


Die Frauen strichen das Wohnhaus der Kinder und die Türen und Fenster. Es war für sie eine Herausforderung sie davon abzuhalten die frisch gestrichenen Türen anzufassen.

 
 


Harry und Niko fingen an die Waisenhaus-Küche für das Fliesen vorzubereiten. Sie mussten viel schleifen, da der Untergrund sehr uneben war. Sie schnitten einige Fliesen, aber da sie noch keinen Fliesenkleber hatten konnten sie nicht mit dem Fliesen beginnen. So betonierten sie die Stufen weiter, die bereits letzte Woche angefangen wurden.

 
 
Angel arbeitete mit einem Amerikaner und einem Haitianer zusammen um die PVC Rohre für die elektrischen Leitungen zu verlegen. Sie mussten schwer arbeiten um einen Graben dafür zu buddeln und im Anschluss fingen sie an in der Waisenhausküche Licht zu installieren.

 
Eine der Amerikanerinnen kocht gemeinsam mit den Einheimischen das ganze Essen für die Gruppe, wofür wir sehr dankbar sind.
Jeff war den ganzen Tag damit beschäftigt alles am Laufen zu halten, Material zu organisieren.
Ich schloss mich der Gruppe an, die die Betten bauen sollte. Wir hatten Startschwierigkeiten, weil der Generator nicht lief und wir den Strom brauchten. Wir fanden nach und nach heraus wie die Betten am besten gebaut werden können. Zwischendurch bauten wir noch zwei Esstische für die Kinder.
Das war ein sehr ereignisreicher Tag. Am Abend saßen wir zusammen und haben uns über den Tag ausgetauscht.
 
 
 
 

Sonntag 12.02.2017 - Weckaktion mitten in der Nacht

Das war eine seltsame Nacht. Um 3:40 Uhr kam jemand in mein Zimmer und sagte auf Englisch "da schläft jemand in unserem Zimmer". Die amerikanische Gruppe kam mitten in der Nacht an. Ich stand also auf und baute mein Moskitonetz um, da wir eine Frau zu wenig auf dem Schirm hatten, war ein Bett zu wenig vorbereitet. Ich zog in den Eingangsbereich, damit die Frauen in das zwei- und drei Bett Zimmer gehen konnten.

Am Morgen waren die anderen sehr müde und schliefen noch, als wir um 7 Uhr zum Gottesdienst gingen. Es war ein interessanter Gottesdienst obwohl wir nichts verstanden haben. Alles war in Kryol und wir hatten keinen Übersetzer dabei.


Die anderen waren von 17 bis 3 Uhr nachts unterwegs, weil der Schulbus mehrere Male stecken geblieben ist und sie ihre Fahrt deshalb immer wieder unterbrechen mussten um den Bus zu befreien. Dabei erhielten sie Hilfe von irgendwelchen Einheimischen, die sie nicht kannten, die ihr Werkzeug brachten, welches sogar kaputt ging, nur um ihnen zu helfen.

Als wir vom Gottesdienst kamen machten wir alle gemeinsam noch einmal eine kleine Andacht und lernten uns dann gegenseitig kennen. Nach dem Mittagessen machten wir eine Runde über das ganze Gelände des Waisenhauses und lernten einiges über die Geschichte. Viel Spaß hatten alle beim Fußball spielen und kennenlernen mit den Kindern.

Abends gab es noch grundsätzliche Dinge zu klären, wie die Regeln hier und wer welche Aufgaben verfolgen möchte und was in dieser Woche zu tun ist.

Samstag 11.02.2017 - Die erste große Arbeitsgruppe wird bei der Anreise aufgehalten

Ein seeeehr langer Arbeitstag geht zu Ende. Gestartet sind wir um 7 Uhr mit dem Frühstück und direkt danach ging die Arbeit schon los. Niko kümmerte sich um die Spüle in der Küche, die undicht war und wo der Wasserhahn nicht richtig funktionierte. Er ersetzte den Wasserhahn und setzte die Spüle neu ein. Ich versuchte ein Handy zu finden mit dem wir die einheimische SIMkarte nutzen konnten um zu telefonieren. Jeff musste damit noch einiges an Material organisieren, was er gestern nicht bekommen hatte.




Leider klappt hier vieles nicht so wie gewünscht, aber es gibt für alles eine Lösung. Parallel wurde das gekaufte Material vom LKW geladen, die einheimischen Helfer eingewiesen und Angel machte sich daran die Stromleitung für den Generator neu zu verlegen. Wir strichen dann weiter im Schlafzimmer der Männer bis wir endlich Strom hatten und ins Frauenhaus gehen konnten. Es sah dort erst mal ziemlich schlimm aus. Alles war dreckig, die Bettwäsche war schmutzig und roch unangenehm, vieles funktionierte nicht. So machten wir uns erst mal an die Arbeit wieder überall Halterungen für die Moskitonetze anzubringen und danach strichen wir die Schlafräume. 

Heute ist große Geduld angesagt. Ich (Jeff) warte seit einigen Stunden in Pignon um die erste US Arbeitsgruppe hier in Empfang zu nehmen. Es gibt jedoch anhaltende Blockaden und Spontanproteste an diversen Einfahrtsstraßen gegen den neuen Haitianischen Präsidenten der Dienstag vereidigt wurde sodaß ihre Anreise bereits erschwert und z.T. aufgehalten worden ist. Wir beten dass die politischen Spannungen nicht zunehmen.
Derweil ist vor Ort mit den Arbeiten begonnen worden. Besorgungen für die größeren notwendigen Arbeitseinsätze strapazieren uns alle, da vieles gar nicht vorrätig ist, oder erst nach viel herumfragen gefunden und gekauft werden kann. Dennoch gibt es mehr als genug zu tun.  

Freitag 10.02.2017 - Ein Berg von Arbeit wird angepackt

Am frühen Morgen machte Jeff sich direkt auf den Weg nach Cab-Haitian um Material zu besorgen. Wir wussten er würde insgesamt 6 Stunden Autofahrt plus einige Stunden einkaufen vor sich haben und so rechneten wir gegen 17 Uhr mit ihm. Die Helfer vom Vortag waren wieder dabei und wir gaben ihnen erst mal Aufgaben. Sie sollten für fünf Eingangstüren der Schlafhäuser der Kinder Stufen betonieren. Wir machten uns an die Arbeit den Aufenthaltsraum fertig zu streichen.

Danach ging es weiter im Schlafraum für die amerikanischen Männer. Das ging relativ schnell sodass wir damit gegen Mittag fertig waren. Also fingen Angel und ich auch noch mit der Küche an. Niko und Harry hatten das Waschbecken im Bad in Angriff genommen. Der Abfluss war undicht. So bauten sie alles auseinander und machten eine überraschende Entdeckung. Es könnte ja alles mögliche die Leitung zusetzen, aber das war schon erstaunlich. Dort saß ein dicker fetter schleimiger Frosch. Anscheinend lebte er dort. Nachdem der Frosch aus dem Rohr entfernt war konnte das Waschbecken wieder normal genutzt werden. 

Da Jeff immer noch nicht zurück war und die Küche bereits schon sauber und wieder eingeräumt war, strichen wir noch zwei Wände des Schlafzimmers unserer Männer. Wir machten uns ein paar Sorgen, weil Jeff noch nicht zurück war als wir gegen 20 Uhr schlafen gingen, aber er kam dann kurze Zeit später ziemlich erschöpft zurück. Leider hatte er nur die Hälfte der benötigten Dinge bekommen und war etwas enttäuscht.